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Morgen, Freitag 28/02, 20 Uhr, gastiere ich beim „Tresenlesen“ im Periplaneta Literaturcafé, Bornholmer 81a. Mit dabei sind die wundervollen, grandiosen Ulrike Helms (Text) und Eva Wunderbar (Musik). Ick freu ma!

Warten auf eine 12

b – Kastanienallee

Wie sie ihre Kinder neben sich hertreiben, in Ganzkörper-Kinderschutzanzügen, mit Kinder-Beleuchtung, mit Sturzhelm, mit Kinder-Mausmützen. Wie sie ihre Kinder hochnehmen, weil sie eine Musik hören, Musik aus Lautsprechern, und wie sie den Kindern die Musik zeigen, den Kindern auf ihrem Arm, und wie sie ihnen zeigen, dass man sich hin und herbewegen muss zu der Musik. Wie sie sich vorbeischieben, zwei Kinder im Schlepptau, zwei Kinderräder am Wagen aufgehängt, ein Rollbord noch hinten dran, für den Fall, dass Gehen wie Fahrradfahren ihren Reiz verlieren. Wie sie Achtung rufen, nicht auf die Straße, während strahlende Menschen auf der vorüberfahrenden Tram verkünden, sie hielten Berlin in Schuss.

Und die Omis. Wie sie den Stolz und den Ernst in ihren Gesichtern gar nicht bezähmen können, da sie ihr Enkelkind ausführen. Wie sie stehenbleiben in der Haltestelle und Weiterlesen

Netzteil

Am Tag, als alles zu Ende ging, traf ich im Bus einen Jungen, vielleicht zehn Jahre alt. Etwas Schweres tragend, schob ich mich in den Gang hinein, der Junge wollte mir seinen Platz anbieten, aber ich hatte einen anderen angesteuert.

„Ich pflanze mich hier hin“, sagte ich.

„Dann kannst du nie mehr weggehen“, sagte der Junge.

„Kann ich doch“, sagte ich.

„Kannst du nicht“, sagte der Junge, „wenn du dich gepflanzt hast, muss man erst die Wurzeln durchschneiden.“

Mir schauderte. Aber der Junge war nett. Wir saßen Rücken an Rücken, er erzählte mir Sachen, ich machte meine Späße, die Omas im Bus lächelten zufrieden. Eine Geschichte handelte von einem Unfall. Ein Flugzeug wurde auf einem Sattelschlepper über die Autobahn transportiert, der Schlepper kam von der Fahrbahn ab, das Flugzeug landete im Morast. Viel mehr erinnere ich nicht von unserem Gespräch, leider. Wir stiegen zusammen aus, der Junge wollte einkaufen gehen – so klein und schon alleine einkaufen. Wir sagten tschüs. Ich trug meinen Rechner zum Computerladen, wo sie das ausgebrannte Netzteil gegen ein neues tauschten. Dann ging ich Cläre besuchen, meine Lieblingsbäckerin, in ihrem Bäckerladen. Es war nicht viel zu tun für sie, wir unterhielten uns lange, ich erzählte von meinem Rechner, sie erzählte von ihren Bildern. Dann ging die Tür auf und Eva kam herein. Sie hieß wirklich so. Es war wirklich so. Es war der Tag, an dem alles zu Ende ging. Ich weiß bis heute nicht, wo der Junge herkam.

Ist Frühling. Muss schön sein. (Miniaturen aus zwei Jahrtausenden) Out März 2020!