Vollmond über der Schönleinstraße

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Im Zuge der kriminellen Lesung im Bunten Reh stieß ich neulich mal wieder auf meine Geschichte aus der Kreuzberger 24/7-Komakneipe „Schlawinchen“ und eine denkwürdige Form der Körperverletzung…

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Löschen

Sylvia lag im Hospiz und wartete. Manchmal schrieben, seltener telefonierten wir. Ihr Lebenswille wurde zu winkenden Emojis, zu Liedern, die sie mir nachts auf WhatsApp einsang. Einmal packte es mich, ich wollte ihr sagen: was sie mir bedeutet hat. Äh, bedeutet! Wie froh ich bin, dass wir uns kannten. Äh, kennen! Ich sprach eine Nachricht auf. Löschte sie. Noch eine. Löschte wieder. Und so fort. Mit der x-ten Version konnte ich leben. Hatte aber WhatsApp nicht kapiert. Wochen später, auf dem Hospizbett, sagte Sylvia mir: Ich hätte ihr neulich acht Mal dasselbe erzählt! Von wegen: gelöscht. Halb starb ich vor Scham, Sylvia aber lachte: Sie hatte das süß gefunden.

(erschienen im „Freitag“, 31.1.2019)

 

Dienstag: Das Bunte Reh des Verbrechens!

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Es ist die dunkelste aller Jahreszeiten, wir tappsen tief in die Abgründe der menschlichen Seele hinein: Am Start sind die Gerichtskolumnistinnen Raquel Erdtmann (FAS) und icke (FAZ). Raquel Erdtmann liest aus ihrem just erschienenen Sammelband „Und ich würde es wieder tun“, ich aus „Was weiß der Richter von der Liebe?“. Für Momente des Durchpustens vom Morden sorgt Teufelsbassist Masataka Koduka.

22. Januar, REH, Kopenhagener Str. 17, Berlin-Pberg, 20 Uhr

Kuopio brannte

Wir sitzen in einem Bottich und vergessen Turku. Warmes Wasser ist um uns, kühles Bier in den Händen. Manchmal springen wir in die Ostsee, zehn Grad. Manchmal watscheln wir hoch in die dunkle Natursauna. Schwitzen alles aus. Dösen.

*

In Turku ist 1803 ein Meteorit niedergegangen: Ein Feuerball stürzte vom Himmel, direkt auf die Stadt zu, so schien es, später waren laute Erschütterungen zu hören. Gefunden hat man damals nichts. 1804 stießen Fischer auf einen Stein, wie sie noch keinen gesehen hatten, in Noormarkku, 140 km nördlich. Die Überlieferung gibt nicht viel her, ganz ehrlich, aber vielleicht war das der Turku-Meteorit, der allerdings nicht so heißt, denn die Stadt ist ja zweisprachig, Finnisch und Schwedisch. Der Stein ist also der Åbo-Meteorit, und weil das in den Katalogen immer falsch geschrieben wird: der Abo-Meteorit. 1,4 Gramm sind übrig von ihm, die sollen in Paris liegen, der Rest ist wohl im großen Brand von 1827 zerstört worden, so wie alles andere auch. Weiterlesen

Mein neues Sofortprogramm

Liebe Gäste! In den vergangenen Wochen bin ich oft gefragt worden: Wirst du etwa wieder eine deiner gefürchteten Ansprachen halten? Wochenlang habe ich geantwortet: Die Bekämpfung der Ansprachenlosigkeit muss für uns an erster Stelle stehen. Ich kann nicht akzeptieren, dass wir für so viele Menschen, die gerne mal eine Ansprache hören, einfach keine Ansprachen finden. Auf den vergangenen Silvesterpartys habe ich Weiterlesen

Dicke Männer an Geländern

Dicke Männer auf Brücken haben jetzt eine schwere Zeit. Dicke Männer auf Brücken, sie stehen – erste frische Morgenluft einschnaufend – am Stahlgeländer, ihrem Stammplatz, und seufzend lassen sie die Passanten gewähren: Immer wieder treten einzelne hinter sie, als nähmen sie Maß, und manche drücken sich richtig körperlich heran an die dicken Männer auf den Brücken. Denn auch sie haben es in der Zeitung gelesen: Weiterlesen

13. Dezember, Das Bunte Reh: Antanas Škėma + Maike Hilbig

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»Ebenso großartig wie erschütternd. Der Sog dieser Lektüre ist stark.« FAZ

»Ein süchtig machender, hinreißend geschriebener Roman« Die Welt

»›Das weiße Leintuch‹ ist ein atemberaubender Roman, der in Abgründe und Höhlen führt, Vergangenheit und Gegenwart miteinander verstrickt, er changiert zwischen mythischer und avantgardistischer Tonlage.« Deutschlandfunk

»›Das weiße Leintuch‹ ist einer der großartigsten Texte über das Glück im Unglück, den ich kenne.« Ö1

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