CO2 muss ins Eckige

Endlich hat Berlin wieder eine erfolgreiche Fußballmannschaft. 15 Jahre habe ich dafür gebraucht. Fußballmanagerspiel, online. Ein zähes Ringen. Die Konkurrenz schläft nicht. Nie schläft sie. Ich ja auch nicht. Wir kaufen Spieler ein, ziehen Nachwuchsspieler groß, stellen und verwerfen die Taktik. Da muss man aufpassen. Muss man gegenhalten. Mein Stromverbrauch in den letzten 15 Jahren dürfte dem von Belize entsprechen. Aber das ist egal. Letzte Woche erst war es soweit, mein Online-Fußballmännchen Ábel Kozák netzte den entscheidenden Elfer: Pokalsieg für meine Jungs, die Jungs von Herthinho BSC! Wir sind der Stolz der Hauptstadt. Auch wenn es keiner merkt. Der Triumph war jede Kilowattstunde wert. Mein Sofa muss als Sportstadt erhalten bleiben.

 

(Eine Kurzfassung des Textes erschien auch im „Freitag“.)

Uluru

Es wird ein 0:0 werden, hier im Uluru. Niemand wird niemandem etwas zu Leide getan haben. Die Gladbacher werden zufrieden auf Platz 2 überwintern, wir uns ein bisschen im Aufwind fühlen. Aber noch sitzen wir in der dunklen Kneipe, bevor die Zeit der tiefsten Kälte beginnt, vor uns auf der Leinwand das Spiel, dem man das 0:0 von Anfang an ansieht. Die Beine sind schwer, die Bescherung ist nah. Es ist wieder so ein Kick, den nur Herthaner ertragen. Draußen ist Dezember, der 21.

Ich sitze neben dem Säufer, der mich vor ein, zwei Jahren, nach einem Sieg in Hannover, schon mal zum Wodka eingeladen hat. Der Säufer ist zerknautscht, klein, silberhaarig schon und sieht doch aus wie ein Trümmerjunge, der in den Ruinen der Nachkriegszeit spielt. Den alle Jimmy nennen, obwohl er ja Hansjürgen heißt. Wie ein Technicolor-Rocker, der Weiterlesen

aufhorn30: kopfinsteinsteckm

zu beschreim wehr ja nich nur sa littaturbetrieb dehms uffjeblasnheit se hochgestochenheit selbsfapriesterung se ranschmeisserei anse macht & se geld & ausrufung als hüter des angeblich schönen & so umwahrerem se selbstverortung als orakel und horoskop ofse zeit (derweil im schatten des getöses se betriebsratten ihre deals einklinken derweil sie buchdruckmaschimem rattan & se kassen klingeln & zwar niemals genug) – zu beschreim isja wiese verlogene vorstellung vom heiligen erhabenen supahklugem im grunde in jedwedem kulturzweig alles erstickt & fadooft / is se litbetrieb ja nur 1 spezifische ausprägung von & frags du dich ob dit zugekacktwerden mit geld nich dem zugekacktwern mit vorgeblichah bedeutung vorzeziehm is.

im laibzsch neulsch sinnwa im so ausstellung rinjeratm sie wundahschöme begleitung & icke & 1 zwanghaft lächelnde japanerin an da kass hatt uns zween schöne kombitickets fakooft fur altbau & fur neubau & hatte gleich noch sie umwidastehliche amgebot gemacht wir könnten ja Weiterlesen

I am a CD-Abspieler

Neulich auf Twitter, Facebook oder wo auch immer: Irgendjemand, ich weiß nicht einmal wer, fragte: „Wann habt ihr euch endlich eingestanden, dass CDs zu hören nicht mehr geht, und habt die alle aussortiert?“ Das war eine sehr gute Frage. Und es gab keine Antworten, nicht für mich. Denn ich habe den Thread zur Frage gar nicht erst aufgeklickt. Stattdessen schweifte mein Blick vom Sofa weg, über die Wohnzimmerdielen, hin zu einer archaischen Inszenierung: Auf einem alten Hocker (der, auf dem mein Oma früher saß, wenn sie in der Küche Salat schnippelte) steht ein Radio-Kassettenrekorder (der, mit dem meine Tochter ihre Hörspiele gehört hat). Am Radio-Kassettenrekorder sind zwei Weiterlesen