Helle Kühe, kecke Rehe (Spreewaldfahrt)

Man kann ja nie verloren gehen. Das sieht nur für die Außenwelt so aus. Man selber, wenn man ihr abhanden kommt, löst sich auf in einem Labyrinth, einer Suche, einem anderen Bewusstseinszustand. Man hat die schnöde, gewöhnliche Welt mit ihren Anliegen, Anträgen und Ampeln hinter sich gelassen, hat sich in eine neue Existenz hineinspiralt, immer mehr vergessend, dass es einen Ausgang geben könnte, einen Weg zurück.

In alten Sagen gibt es die Irrlichter und die Nixen, die einen vom Weg fortlocken, ins Unbekannte, Dämmrige, Dustere hinein, hinein in Unterwelten, Moore und Gestrüpp. Wenn sie je irgendwo existiert haben sollten, dann hier. Im Spreewald. Wir haben versucht, einmal eine Ausfahrt zu wagen von der Bleiche aus, jenem märchenhaften Anwesen, in dem wir wohnen, aber hinaus…? Hinaus gibt es nicht im Spreewald. Hinter jeder Biegung kommt Weiterlesen

Ich MUSS barfuß schreiben!

Autorenfotos folgen strengen Regeln. Sind die Autoren Frauen, so braucht man irgendwie ein Stück Natur im Hintergrund, am besten ein paar winkende Zweige. Die Frau schaut aufgeräumt-wach in die Kamera, nicht dumm, nicht zu schlau, nicht zu frech – Lehrerin am Sonntag. Vielleicht lächelt sie sogar ein wenig. Die Aussage ist klar: Frauen, sie dürfen klug sein, aber auch ein bisschen verträumt, und seit Urzeiten stehen sie mit den Naturmächten im Bund. Männerautoren hingegen!

Regel 1: Der Autor hat wirklich, wirklich ernst in die Kamera zu schauen. Die Last der Welt drückt ihn, er hat ein Anliegen, und wenn er kein Anliegen hat, dann hat er wenigstens Bauchweh. Wegen der allgemeinen Lage. Einem Autor, der auch nur ein wenig lächelt, traut man nicht. Dem will man kein Buch abkaufen. Unterzeichnender kennt ein paar Autoren, es sind gewitzte, gescheite, gar fröhliche Gesellen dabei. Auf den Bildern sehen sie immer aus als wäre gerade der Hund von der Brücke gefallen.

Regel 2: Der Autor darf auf keinen Fall in Aktion sein, alle Bewegung ist ihm fremd. Denn er muss ja Weiterlesen

Da!

dav

 

Was für eine SMS würde ich schreiben, wenn ich nur noch 43 Sekunden zu leben hätte? Wie komme ich mit der berühmten Schauspielerin in Kontakt, die mir ständig auf der Straße begegnet? Wie überstehe ich ein Meeting voller Wichtigtuer, wenn draußen der Frühling piept und lockt?

Klaus Ungerer erwägt die großen Dinge in kleinen Texten. Jetzt hat er bei Periplaneta seine schönsten, lustigsten und wirrsten Miniaturen aus FAZ, Welt, spiegel.de, Titanic etc zu einem Buch gemacht. Immer wieder stößt er dabei auf die Kernfrage des Daseins: Sollen wir verzweifeln an dieser Welt – oder sie doch lieber auslachen?

„An Erfindungsreichtum, grotesker Phantasie und Sprachwitz ist Ungerer schwer zu übertreffen.“ (FAZ) *** „Berührender, wahrer, besser kann ein Mensch nicht schreiben.“ (Christian Baron) *** „Ungerer sollte zur Pflichtlektüre erklärt werden.“ (Der Freitag) *** „Stilistisch eigenwillig, zuweilen verschroben poetisch, aber immer meisterhaft“ (Edo Reents) *** „Ungerer hat ein unschätzbares Talent, das nicht viele haben: Er sucht und findet die richtigen Worte.“ (Neues Deutschland)

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Morgen, Freitag 28/02, 20 Uhr, gastiere ich beim „Tresenlesen“ im Periplaneta Literaturcafé, Bornholmer 81a. Mit dabei sind die wundervollen, grandiosen Ulrike Helms (Text) und Eva Wunderbar (Musik). Ick freu ma!