Mein Mann, der Hund, der Pirat van Hunk (FAS Reise, 2004)

Wie? Lauter? Ach so. Ich weiß gar nicht, wie man das leiser stellt, vielleicht weiß ja der Fahrer – Do you know how we can make this weniger laut? Ah, okay. Okay. Und jetzt? It’s still too loud. Also, da fehlt irgendwie so ein Knopf, und ich spreche einfach ein wenig mehr leise, okay? Hört ihr mich? Also ich bin wie gesagt die Ilse, ich lebe seit 1968 hier in Kapstadt, ja, und wir können mich also alle duzen. Hchm, früher war die ganze Erde ja ein großer Kontinent, weiß jemand, wie das hieß? Gondwana hieß das, alles so ein großer Klops, aber irgendwann gab es ein riesiges Erdbeben, alles brach auseinander, und Australien und Indien schwammen dann nach Osten. Und deswegen – Ja, Paviane. Da vorne. Die die Hintern so herzeigen, das sind die Weibchen, die sind jetzt so richtig heiß. Katrin, oder? Katrin. Weil du mich eben gefragt hast – Zu leise? Zu laut! Also, Katrin, du hast mich ja eben schon gefragt, wie es kommt, dass ich hier lebe. Dazu muss ich sagen, ich hätte mir das selbst auch nie träumen lassen, aber das hing mit meinem Mann zusammen. Beziehungsweise Ex-Mann. Wir sind ja nicht mehr verheiratet. Seht ihr die dicke Wolke? Immer wenn die dicke Wolke da über den Tafelberg, also, gepustet kommt, sagen die Menschen in Kapstadt: Jetzt hat Van Hunk wieder an seiner Zigarre gezogen. Man erzählt sich nämlich, dass der berühmte Pirat Van Hunk, ja, ein richtiger Pirat und Lebemann (…) Eines Tages gesellte sich ein Fremder zu Van Hunk (…) und dann (…) und dann (…) und sie rauchten (…) und rauchten (…) und dann (…) und dann (…) Das war nämlich der Teufel! Ja, das sind Zitronenbäume, die haben wir auch zu Hause, ich mache da immer Saft davon. Lecker (…) erfrischend (…) Kuchen (…) Unser Großer (…) Medizinstudium (…) seine erste Frau (…) Aber ich muss kurz unterbrechen, wir fahren durch Simon’s Town, da kommen wir nachher an einer Dänischen Dogge vorbei, das ist ein Denkmal für eine Dänische Dogge, die hat es also wirklich gegeben, das haben die Matrosen aus Dankbarkeit aufgestellt. Und so blickt sie bis heute aufs Meer hinaus. Mein Mann hat dann 1995 einen Posten in Kalkutta angeboten gekommen, 56 war er da, und wie er gerade angekommen war, hat er sich sofort in eine 19jährige Barhostesse verliebt und hat sie also direkt schwanger gemacht. Da ist er ja, der Hund! Zu laut? Seid ihr bisschen müde, oder? Wie? Naja, ich bin ein paar Jahre wieder in Deutschland gewesen, aber da bin ich immer trauriger geworden, ganz schlimm war das, und die Ärzte wussten alle nicht, aber mein Sohn hat gesagt: Mom, you have SAD, also Seasonal Disease, dir bekommt Deutschland nicht. Komm doch zurück nach Südafrika! Und kaum war ich wieder hier, fühle ich mich wieder wie ein Fisch. Ja, ja. Die sitzen hier jetzt überall, die Weibchen strecken die Hintern raus, da muss der Fahrer tüchtig aufpassen. Baboons! See the baboons? Females, there are females! Und zwar haben wir doch hier alle so eine Zirbeldrüse, und wenn die nicht genug Licht kriegt, werden wir ein bisschen, naja, ballaballa. Wirklich wahr. Müde, oder? Seid ihr müde? Ach guck, hier ist der Knopf. So besser? Zu leise? Zu laut! Ach so.

Die Rechte am Text liegen bei Klaus Ungerer. Erstveröffentlicht in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

3 Kommentare

  1. Naja, immerhin kennt man danach die Lebensgeschichte der Reiseleiterin und weiß was über Zirbeldrüsen und weshalb manche in Deutschland so traurig sind. Und man weiß was über – wie hießen die – die so nebenbei in den Redefluss gepackt waren und derentwegen man doch vielleicht mitunter auch so nen Trip bucht – ach diese Affen halt, mit Hintern, das haben sie auch. Schön

    • danke ätt response, beate! kleines technisches problem: du unterzeichnest hier immer mit rottweilistueberall, und wenn man da drauf klickt, landet man im nichts, quote: „rottweilistueberallhome.wordpress.com is no longer available. The authors have deleted this site.“ schade!

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