Schnix

Eine brasilianische Seele, gefangen im Körper eines teutschen Terriers. Stieg Bernd Schneider aus dem Bus, hielt man ihn für den Masseur, am TV-Mikrofon hätte er am liebsten nur seine Oma gegrüßt. Wer ihn sah, tippte auf Sechser: Abräumen, heimgehen, irgendwo Landesliga vielleicht. Bernd Schneider war der Antiglamour in Person. Er war der beste deutsche Fußballer seiner Generation. Wo er spielte, sprühte Konfetti, blühten Herzen. Seine Karriere hat er bei der Betriebssportgemeinschaft Leverkusen verbracht. Die schönste Geschichte von ihm spielt am Strand: Herr Schneider hat Urlaub. Im Sand wird gekickt, und Herr Schneider, natürlich, ordert keine Aktien und sondiert keine lukrativen Transfermöglichkeiten. Er sieht den englischen Touristen beim Kicken zu. Irgendwann fragen die ihn, ob er mitkicken wolle, haha, ein Deutscher! Und Herr Schneider kommt. Tanzt und trickst und schnixt über den Strand wie ein Wirbelsturm, er feiert eine wilde Capoeira am Leder. Die Engländer staunen Bauklötze, what’s happening? Sie haben den Mann schlicht nicht gekannt. Er ist zu dem Zeitpunkt amtierender Vizeweltmeister.

 

Aus dem „A-Z Weiße Brasilianer“ im „Freitag“, 21. Juni 2018

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