Plumpynut (aus „Alles über die Welt“)

Erfände jemand ein Wundermittel, um kleine schwarze Kinder vorm Tod durch Mangelernährung zu retten, die Medienglucke wäre auf Zack: Allüberall in den Redaktionen sähe man die Jungredakteurinnen kopfschüttelnd Agenturberichte lesen, nachdenklich gingen sie über die Flure dahin; mit den ausgedruckten Zetteln in Händen wagten sie es, an einem weniger hysterischen Moment der Redaktionskonferenz, mutig  den Kopf zu erheben, und „Ah! Was hat Afrika zu melden?“, würden Sie aufgefordert, sich doch ruhig zu erklären, denn es wäre ja keineswegs so, dass die Jungredakteurinnen keine Beachtung fänden; nein, vielmehr erachtete die Mehrzahl der Kollegen es als durchaus erfrischend, sich von dieser Art Wind ein wenig anwehen zu lassen, sich ein wenig an den roten Flecken in den Gesichtern der Jungredakteurinnen von Zeit zu Zeit zu ergötzen – und so höben sie an zu berichten, ein wenig aufgeregt offensichtlich, und sehr bemüht, sich das nicht ansehen zu lassen; und mit leichten Stockungen im Sprachfluss und zwei, drei suchenden Blicken in ihrem Ausdruck, da sie keinen Unfug erzählen wollten, sagten die Jungredakteurinnen: Es habe ein Franzose ein Wundermittel erfunden. In den notorischen Hungerregionen von Niger stünden sie Kopf, die Mütter der Kinder; Plumpynut, so heiße die Paste, rettete Menschenleben zu Hunderten, binnen weniger Tage legten sie pfundweise zu, diese kleinen, sattsam bekannten Gerippe – „Pfunde, sagst du? Ja wohl kaum!“ –, und wo sonst die Mütter die Wahl hätten, ihre Kinder sterben zu lassen oder ihre Familien wochenlang alleine zu lassen, um eines der Therapiezentren aufzusuchen – „Stimmt es, dass die da eine Jahreszeit haben, die einfach ‚Hunger‘ heißt, richtig einmal im Jahr?“ –, da würden die Mütter jetzt einmal wöchentlich eingedeckt mit ihrer Plumpynut-Ration – „Plampi? Wie heißt das, entschuldige …“, und glücklich gingen die Mütter nach Hause, Plumpynut müsse nicht zubereitet werden mit bedenklichem Wasser, und zwei Jahre haltbar sei es, die Kinder schlotzten es nur so weg, und dieser Franzose habe die entscheidende Idee gehabt, als er am Küchentisch saß und sein Blick auf ein Nutellaglas fiel – also ganz ehrlich, auch wenn sich das jetzt komisch anhöre, sie fände, so etwas könne man ruhig mal ganz groß machen.

Einen Moment lang wäre es still, und durch aller Köpfe ratterten alle denkbaren Nutellawitze, und mit gewisser Grundspannung wendete man den Blick zum Scheffe hin, und Teufelskerl Scheffe würde trocken bemerken: Da solle man in der Tat mal unseren Afrikakorrespondenten dransetzen – hoho, prust, gack, gack! Und knallrot hätte sich die Hautfärbung ausgewachsen mit Lichtgeschwindigkeit, ganz reizend, und: Nein, im Ernst, sagte Scheffe dann, so ein Ding aus der Agentur könne man natürlich nicht groß aufmachen, der Leser wolle da schon einen eigenen Dreh verspüren, einen vertrauten Autorennamen lesen: Wie es denn, liebe Jungredakteurinnen, mit einem Kurzporträt wäre von diesem Nutellaerfinder? Gut, toll. So, und was hat der Sport anzubieten? Der Sport giggelt noch und muss sich berappeln: Afrika-Korrespondent! Der war gut.

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