I am a CD-Abspieler

Neulich auf Twitter, Facebook oder wo auch immer: Irgendjemand, ich weiß nicht einmal wer, fragte: „Wann habt ihr euch endlich eingestanden, dass CDs zu hören nicht mehr geht, und habt die alle aussortiert?“ Das war eine sehr gute Frage. Und es gab keine Antworten, nicht für mich. Denn ich habe den Thread zur Frage gar nicht erst aufgeklickt. Stattdessen schweifte mein Blick vom Sofa weg, über die Wohnzimmerdielen, hin zu einer archaischen Inszenierung: Auf einem alten Hocker (der, auf dem mein Oma früher saß, wenn sie in der Küche Salat schnippelte) steht ein Radio-Kassettenrekorder (der, mit dem meine Tochter ihre Hörspiele gehört hat). Am Radio-Kassettenrekorder sind zwei Weiterlesen

Tumult, ungut

Die Freundschaft ist ein empfindlich Ding, sie zu erhalten die vornehmste Aufgabe des Menschen. Auch Ute und ich wussten das. Doch wie ein Unheil aufhalten, das man nie gekannt hat? Rundum unklug sprach ich ein Wort leichthin aus, welches, bar jeder praktischen Verwendung, den Benutzer umso gnadenloser in den Strudel seiner lautlichen Besonderheit reißt.

Es war da schon spät am Abend, weder der Damenbesuch noch ich fanden zum Schlafe, viel zu kostbar erschien uns die Zeit, als dass sie mit Bewusstlosigkeit hätte gefüllt werden sollen. Nach reichlichem Genuss von Rotwein und Seeluft sowie exzessivem Austausch von Späßen und selbstgestrickten Neuigkeiten aus dem Sozialgefüge befanden wir uns in einem namenlosen Zustand gedanklicher Erschöpfung, der die weitere Produktion von Sinnzusammenhängen nicht zuließ.

Wie einst Obelix sagte ich also, was mir gerade durch den Kopf ging, nämlich: „Turmuhr“. Gleich darauf bäumte mein Geist sich zu einem unvermuteten Anfall von Konstruktivität auf: „Jeder muss Wörter mit u-u sagen.“ Und noch Weiterlesen

Aus dem Abenteuerland

Eine ruhmreiche Branche war das. Gewachsen über Jahrhunderte, verehrt, gefürchtet, geliebt: Print! Dann kam ich. Wickelte zunächst eine kleine Hörspielzeitschrift ab. Ging dann nach Frankfurt. Imperiale Tageszeitung. Voller kleiner Könige. Ahnten nichts. Als Redakteur beendete ich zunächst die München-Beilage. Dann meine Feuilletonseite. Poff! Dann setzten sie mich frei. Neue Chancen eröffneten sich: Eine Zeitung gab es nur im Netz. Nützte ihr nichts. Ich ging hin. Zack. Peng. Perdü. Kurz schloss ich noch eine Textagentur, die ich selbst gegründet hatte. Geriet dann an ein Nachrichtenmagazin, das sich online eine Satirerubrik hielt – bämm! Weg mit ihr. Ha. Jetzt sitze ich hier. Wochenzeitung. Schwierig. Wochenzeitungen überleben mich vielleicht sogar.